• Geschichte des Gewichthebens in Österreich

Medaillen-Gewinner

Medaillen-Bilanz

Internationale Medaillen-Bilanz seit 1896

wdt_IDBewerbGoldSilberBronze
1 Olympische Spiele 4 5 2
2 WM Allg. Klasse 32 27 34
3 WM Junioren 0 3 4
4 WM Jugend 1 2 0
5 EM Allg. Klasse 28 28 38
6 EM U23 0 0 3
7 EM Junioren 3 2 8
8 EM Jugend * 5 11 4
9 Gesamt 73 78 93


* seit 2013 U17, davor U16

Olympiasieger

Josef Steinbach

Josef Steinbach wurde am 21.März 1879 in Horschau im Egerland geboren. Seine Eltern übersiedelten bald einmal nach Wien. Um für die Familie Geld zu verdienen, arbeitete Steinbach schon als 14- jähriger in einem Wiener Beisl. Bald wurde der Obmann des Wiener-Athletik-Clubs-Sparta auf den kräftigen jungen Mann aufmerksam. Steinbach wurde Mitglied im Club und begann mit dem regelmäßigen Krafttraining.

Als „starker Mann“ erlangt Steinbach in kurzer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad. Er wird 1904 Weltmeister und somit zum „stärksten Mann der Welt“. Ein Jahr später verteidigte er erfolgreich den WM-Titel und wurde für die Zwischen-Spiele 1906 in Athen nominiert.

Bei den Bewerben im Gewichtheben gab es in Athen 1906 noch keine Gewichtsklassen. Das Finale zwischen Steinbach und dem Griechen Tophalos musste wegen Dunkelheit abgebrochen werden. Die Neuaustragung erfolgte am nächsten Morgen. Durch negative Berichterstattung in der Presse tobte das Publikum im Stadion und als Steinbach das Rekordgewicht von 142,8 kg zur Hochstrecke bringen will, prasselt ein Steinregen auf ihn nieder und er scheiterte.

Während der Grieche als Olympiasieger gefeiert wurde bringt abseits Steinbach spielend 6x die 142,8 kg zur Hochstrecke.

Trotzdem wird er in Athen 1906 Olympiasieger. Im einarmigen Heben bringt er spielend 76,55 kg über den Kopf. Der Italiener Tullio Camilotti wird zweiter mit 73,75 kg.

Nach den Spielen in Athen wurde Josef Steinbach „Profi“ und eröffnet ein Gasthaus in Erdberg. Erst 57 jährig stirbt Steinbach am 15.Jänner 1937 in Wien.


Franz Josef Andrysek

Franz Josef Andrysek wird als ältestes von 12 Kindern am 8.Februar 1906 in Wien geboren. Schon mit 14 Jahren begann er seine Gewichtheberlaufbahn durch regelmäßiges Training beim Firmensportverein von Felten & Guilleaume. 1924 steht er bereits in der österreichischen Olympiamannschaft, konnte jedoch die in ihn gesetzten Erwartungen noch nicht erfüllen. Die Spiele 1924 in Paris kamen für Andrysek noch zu früh.

1928 in Amsterdam sollte es anders sein. Nach spannendem Duell mit den später zweit- und drittplatzierten Pierino Gabetti aus Italien und Hans Wölpert aus Deutschland gewann Hans Andrysek durch seine Nervenstärke die Goldmedaille im Federgewicht.

In seiner Laufbahn stellte er nicht weniger als 21 Weltrekorde auf. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere versuchte sich Andrysek als Kaufmann, später als Hausbesorger und verstarb am 9.Februar 1981 in Wien.


Hans Haas

Der gebürtige Wiener (17.Oktober 1906) zeigte in seiner Tischlerlehre schon früh seine Begabung für das Tragen von schweren Gewichten. Er erkannte selbst seine ungewöhnliche Begabung, wurde Mitglied im Athletenclub „Adler“ in Wien und begann seine Karriere als Gewichtheber im Leichtgewicht. 1926 wurde er österreichischer Meister und zweiter bei den deutschen Kampfspielen in Berlin. 1927 trug er sich bereits in die Weltrekordliste ein; 100 Kilo im Reißen, 128,5 Kilo im Stoßen. Insgesamt erzielte er 18 Weltrekorde.

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Amsterdam 1928 war für ihn selbstverständlich. Mit 322,5 Kilo stellt er seinen eigenen Weltrekord ein, die Goldmedaille schien zum Greifen nahe, jedoch erzielte der Deutsche Kurt Helbig in seinem letzten Versuch die gleiche Leistung. Nun war die Jury ratlos. Nach intensiven Beratungen wurde beschlossen, dass das geringere Körpergewicht ausschlaggebend sein sollte. Man wog die beiden Athleten, jedoch waren beide auf den Deka gleich schwer. Die Jury war wieder ratlos – es kam zu langen Diskussionen. Schlussendlich wurden beide zu Olympiasiegern erklärt.

Hans Haas blieb dem Sport immer treu und war bis zu seinem Tod, am 14.Mai 1973, begeisterter Anhänger der Olympischen Idee.


Robert Fein

Robert Fein setzt mit einer Goldmedaille die österreichische Gewichthebertradition fort

Robert Fein wurde am 8.Dezember 1907 in Wien geboren und widmete sich eigentlich sehr spät dem Gewichtheben. Zuerst versuchte er sich als Turner, später als Schwimmer. Zu guter letzt wird er 1928 Mitglied im Wiener Athletikclub Ursus und beginnt mit dem gezielten Gewichtstraining. Schon bald wird er österreichischer Meister und gewinnt als „nobody“ völlig überraschend in Wien 1929 den Europameistertitel im Leichtgewicht. Sein Ziel war klar definiert; die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Nach spannendem Kampf gegen den für Ägypten startenden Anwar Nesbah, in dem beide Athleten auf die gleiche Dreikampfleistung von 342,5 Kilo kamen, wurden 2 Goldmedaillen vergeben.

Fein erhielt 1937 noch die Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich verliehen, wurde während des NS-Regimes verfolgt und starb am 2.Jänner 1975.

Geschichte im Zeitraffer

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ist Gewichtheben vor allem in Österreich und Deutschland beheimatet.


18./19.Jh.Im Gewichtheben entsteht ein Berufsathletentum mit unterschiedlichen, jedoch keinen nach Regeln genormten Kraftleistungen.
1878Markgraf Alfred Pallavicini bringt als erster ein kontrolliertes Gewicht von 100 kg zur Hochstrecke.
1883Gründung des „1. Wiener Athletik Klubs“.
1890Am 31. Mai wird der zu Jahresbeginn gegründete „Österreichische Athleten Bund“ behördlich konzessioniert.
1891Am 28. März wird in London die erste Weltmeisterschaft durchgeführt. Am 9. April wird der Österreichische Athleten Bund vom „Wiener Athleten Bund“ abgelöst.
1896In Athen werden die I Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen. Gewichtheben ist mit den Übungen einarmig Reißen und beidarmig Stoßen dabei. Nach Unterbrechung in den Jahren 1900, 1908 und 1912 wird Gewichtheben ab 1920 ständig in das olympische Programm übernommen.
1898Mit elf Athleten aus drei Ländern wird am 31. Juli und 1. August in Wien der „Kampf um die Meisterschaft der Welt“ organisiert. In den zehn zu absolvierenden Übungen erkämpft der Wiener Wilhelm Türk den Weltmeistertitel.
1899Der Verbandstitel wird am 21. Jänner auf „Österreichischer Athleten-Club-Verband“ geändert.
1905Am 10. Juni erfolgt in Duisburg die Gründung des Weltverbandes mit dem Titel „Amateur-Athleten-Weltunion“. Am 12. Juni werden drei Gewichtsklassen beschlossen: 70 kg Leichtgewicht, 80 kg Mittelgewicht, über 80 kg Schwergewicht.
1908Ab 26. November übernimmt die „Österreichische Athleten-Union“ die Verantwortung für das nationale Gewichtheben.
1910Die erste vom Deutschen Franz Veltum entwickelte und von der Firma Kaspar Berg in Nürnberg produzierte Scheibenhantel mit drehbarer Stange wird vorgestellt.
1911Am 22. Jänner Änderung des Verbandstitels auf „Österreichischer Reichsverband für Schwerathletik“.
1912Am 15. Juli wird in Stockholm der Weltverband unter dem Titel „Internationaler Weltverband für Schwer-athletik“ reaktiviert.
1913Der Weltverband, der am 6. Juni in Berlin den Namen auf „Internationaler Amateur-Weltverband für Schwerathletik“ ändert, beschließt folgende Gewichtsklassen: 60 kg Federgewicht, 67,5 kg Leichtgewicht, 75 kg Mittelgewicht, 82,5 kg Halbschwergewicht, über 82,5 kg Schwergewicht.
1919Am 16. März Änderung des Verbandstitels auf „Österreichischer Verband für Schwerathletik“.
1920Reaktivierung des Weltverbandes am 23. August in Antwerpen unter dem Titel „Fédération Internationale Haltérophile“ (FIH). Nach mehreren Änderungen in den Folgejahren wird der Verbandstitel 1972 mit „International Weightlifting Federation“ (IWF) festgelegt.
1922Änderung des Verbandstitels am 22. Jänner auf „Österreichischer Kraftsportverband“.
1928Der olympische Dreikampf mit beidarmig Drücken, beidarmig Reißen und beidarmig Stoßen wird eingeführt.
1938Am 12. Juni wird der Österreichische Kraftsportverband aufgelöst und durch das „Fachamt für Schwerathletik im Gau XVII im Deutschen Reichsbund für Schwerathletik“ ersetzt. Im Oktober wird in Wien die letzte Weltmeisterschaft vor dem Zweiten Weltkrieg organisiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war Wien Schauplatz von acht Titelkämpfen.
1945Am 23. Juni erfolgt Reaktivierung des Verbandes unter dem politisch erzwungenen Titel „Österreichischer Arbeiter-Kraftsportverband“.
1946Der Weltverband beschließt am 17. Oktober in Paris die Anerkennung und Registrierung von Weltrekorden im olympischen Dreikampf sowie mit Wirkung vom 1. Jänner 1947 eine sechste Gewichtsklasse: 56 kg Bantamgewicht.
1950Eine Ergänzung der Kategorien per 1. Jänner 1951 beschließt der Weltverband am 12. Oktober in Paris: 56 kg Bantamgewicht, 60 kg Federgewicht, 67,5 kg Leichtgewicht, 75 kg Mittelgewicht, 82,5 kg Halbschwergewicht, 90 kg Mittelschwergewicht, über 90 kg Schwergewicht.
1959Aus dem Österreichischen Arbeiter-Kraftsportverband wird am 12. Juli der „Österreichische Gewichtheberverband“.
1962Mit Jahresbeginn registriert der Weltverband Weltrekorde für Junioren.
1968Der Kongress des Weltverbandes beschließt am 11. Oktober in Mexiko City mit Wirkung per 1. Jänner 1969 folgende Gewichtsklassen: 52 kg Fliegengewicht, 56 kg Bantamgewicht, 60 kg Federgewicht, 67,5 kg Leichtgewicht, 75 kg Mittelgewicht, 82,5 kg Halbschwergewicht, 90 kg Mittelschwergewicht, über 90 kg bis 110 kg Schwergewicht, über 110 kg Superschwergewicht.
1969Mit Beginn der Weltmeisterschaft in Warschau werden auch bei allen künftigen Titelkämpfe die drei ersten Plätze in den Einzelübungen mit Medaillen ausgezeichnet. Diese Regelung gilt nicht für die Olympischen Spiele.
1972Der Kongress des Weltverbandes beschließt am 25. August in München mit 33 gegen 13 Stimmen die Abschaffung des beidarmigen Drückens. Ab 1. Jänner 1973 werden Konkurrenzen nur mehr in dem aus beidarmigen Reißen und Stoßen bestehenden Zweikampf durchgeführt.
1975Vom 5. bis 12. Juli wird in Marseille die erste Weltmeisterschaft der Junioren ausgetragen.
1976Am 15. Juli entscheidet der Weltverband in Montreal, die bisher übliche Namensbezeichnung der Gewichtsklassen aufzulassen. Mit Wirkung 1. Jänner 1977 gelten folgende Kategorien: 52-56-60-67,5-75-82,5-90-100-110-über 110 kg.
1983Am 20. Oktober beschließt die Exekutive des Weltverbandes in Moskau die Anerkennung des Gewichthebens für Frauen mit folgenden Gewichtsklasse: 44-48-52-56-60-67,5-75-82,5-über 82,5 kg.
1987Daytona Beach, Florida, ist vom 30. Oktober bis 1. November Schauplatz der ersten Weltmeisterschaft für Frauen.
1992Um zweifelhafte Weltrekorde zu eliminieren beschließt der Kongreß des Weltverbandes am 15. November in Puerto de la Cruz, Teneriffa, neue Gewichtsklassen, die mit 1. Jänner 1993 wirksam werden. Männer: 54-59-64-70-76-83-91-99-108-über 108 kg; Frauen: 46-50-54-59-64-70-76-83-über 83 kg.
1995Die erste Juniorenweltmeisterschaft der Frauen findet vom 9. bis 16. Juli in Warschau statt.
1996Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees entscheidet am 15. November in Cancun, Mexiko, unter der Voraussetzung, dass für beide Geschlechter eine Teilnehmerzahl von 250 nicht überschritten wird, Gewichtheben für Frauen ab den Spielen 2000 in das olympische Programm aufzunehmen. Erwartet wird eine Reduzierung der Gewichtsklassen.
1997Am 28. Mai bestätigt der Kongreß des Weltverbandes in Kapstadt die reduzierten Kategorien per 1. Jänner 1998 in folgender Zusammensetzung: Männer: 56-62-69-77-85-94-105-über 105 kg; Frauen: 48-53-58-63-69-75-über 75 kg.
2000Gewichtheben für Frauen feiert in Sydney bei den Spielen der XXVII Olympiade die Premiere.

Zusammengestellt von Gottfried Schödl